Warum Beziehungen an Kindern scheitern

Seit der Geburt vom kleinen Paul ist alles anders. Anders als zuvor und auch anders, als sich Marie das Leben als Mutter mit Kind vorgestellt hat.
Seit der Geburt vom kleinen Paul fühlt sich Marie dauerhaft gestresst, überfordert und allein gelassen.
Von ihrem nahen Umfeld wird ihr gesagt, dass ihre Gefühle normal sind und es Zeit braucht, um sich an die geänderte Lebenssituation mit Kind zu gewöhnen. Aber der kleine Paul ist bereits fast ein Jahr alt und sie fühlt sich im Stich gelassen, ganz besonders von Florian, ihrem Mann und der Papa von Paul.
Dabei hat doch in ihrer Liebesbeziehung alles gut angefangen!
Es hat sich alles richtig angefühlt, das Kennenlernen beim gemeinsamen Sport, die schöne Zeit der Verliebtheit, das Zusammenziehen und schließlich die Hochzeit vor zwei Jahren. Paul ist ein absolutes Wunschkind von ihnen beiden und ein kleiner, lachender Sonnenschein.
Marie fragt sich oft selbst, warum sie nicht glücklich ist. Sie hat doch alles! Ein gesundes Baby, ein sicheres Zuhause, Omas und Opas für Paul. Für das alles ist sie unendlich dankbar. Dennoch spürt sie, wie sich die Beziehung zu ihrem Mann Florian verändert hat. Sie merkt eine emotionale Distanz, die bisher nicht da war.
Nach der Geburt war besonders der ständige Schlafmangel ein Riesenproblem. Die Erschöpfung unter Tags war richtig hart für Marie. Dazu kam die Unsicherheit einer Erst-Mama und viele Fragen, mit denen sie sich an niemanden wenden konnte. Florian war ein glücklicher Neu-Papa und bemühte sich, für sie und Paul da zu sein. Aber er musste auch viel Zeit in der Arbeit verbringen, was ihre Paarbeziehung zunehmend belastete.
Eltern sein – Paar bleiben
Denn es fehlte nicht nur an Paarzeit, sondern auch an Energie für gemeinsame Unternehmungen, Gespräche, Zweisamkeit oder Intimität. Marie fehlt es ganz besonders an Spontanität, alles muss rund ums Kind organisiert werden.
Marie fühlt sich durch die neue Rolle als fürsorgliche Mutter benachteiligt während Florian sein Leben faktisch ohne große Einschränkungen weiterleben kann wie bisher. Ihm bleibt noch genug Zeit für geschäftliche Termin, Freunde und Fitnessklub. Sie hätte nicht gedacht, dass sie ihn je dafür beneiden wird!
Florian fühlt sich dagegen zunehmend vom Leben seiner Frau und Kind ausgeschlossen. Ja klar hat er Verständnis dafür, dass die Mutter-Kind Bindung am Anfang sehr stark ist. Aber er möchte gerne Teil dieser kleinen Familie sein und nicht von Marie bevormundet oder gar ausgeschlossen werden.
Sie merken beide, wie die Spannungen zunehmen. Das führt fast täglich zu Konflikten über Erziehungsfragen und in der kostbaren Freizeit wird meistens gestritten. Was bleibt sind junge Eltern, die sich auf ihr Kind gefreut haben und nun frustriert vor den Scherben ihrer Liebesbeziehung stehen.
Kind da – Liebe weg?
Marie und Florian suchen nach Auswegen aus dem Dilemma „Kind da -Liebe weg“.
Es fällt ihnen schwer, sich eingestehen zu müssen, dass die Beziehung womöglich am Wunschkind scheitert. Aber es wäre ein wichtiger erster Schritt, sich die neue Realität ganz ungeschönt vor Augen zu führen.
Denn sowohl Marie als auch Florian habe gute Gründe, enttäuscht und frustriert zu sein. Beide müssen sich mit ihrer neuen Rolle im Familiensystem erst vertraut machen. Beide fühlen sich mit ihren Emotionen, mit ihren Ängsten und Sorgen alleingelassen. Sie finden kein offenes Ohr mehr für ihre Bedürfnisse und schon gar kein Verständnis. Deshalb sammeln sich mit der Zeit viele Enttäuschungen an. Das führt zu Unsicherheit, Wut, Verzweiflung und Groll auf den Partner.
Je nach Temperament werden sie vielleicht mit Wut oder Traurigkeit reagieren, oder sie verstummen und ziehen sich resigniert zurück. Jedenfalls fühlen sie sich hilflos, ohnmächtig, vielleicht sogar als Versager. Die Verantwortung für den Erhalt der Familie und der Wunsch, es richtig zu machen, sind aber weiterhin da. So fühlen sie sich wie gefangen in einer ausweglosen Situation, die sie beide sehr unglücklich macht.
Aus Sicht der Paarberaterin denke ich, je bewusster sie sich dieser Krise stellen, desto eher werden sie eine Lösung finden und gestärkt daraus hervorgehen können. Sie sollten deshalb anfangen, miteinander darüber zu reden, was genau sie belastet und unglücklich macht.
Es dreht sich alles um Emotionen!
Aber nicht über Erziehung oder Kinderbetreuung oder Aufgabenverteilung und gemeinsame Paarzeit. Sondern in erster Linie über ihre Emotionen!
Über die enttäuschten Erwartungen der letzten Monate, die unerfüllten Sehnsüchte, die körperlichen Veränderungen und die harte Realität des Familienalltags.
Es braucht Mut für diese Art von Gespräch, sich auch die eigenen Enttäuschungen einzugestehen. Genauso braucht es auch einen Partner, der möglichst vorurteilsfrei zuhört, ohne gleich in die Defensive zu gehen.
Am besten gelingt das ab einem gewissen Zeitpunkt der Frustration tatsächlich mit einem „neutralen Dritten“ wie bei mir in der Paarberatung. Ich bin unvoreingenommene „Übersetzerin“ für das Gesagte und achte darauf, dass das Paar nicht wieder in eine Sackgasse mit Vorwürfen und Schuldzuweisungen abdriftet, so wie ich das immer wieder in meiner Praxis erlebe.
Emotionale Nähe für eine sicher Bindung
Sobald die Bereitschaft beidseitig da ist, sich empathisch und emotional auf den Partner einzulassen, können auch die Fragen bezüglich Familienorganisation viel besser geklärt werden!
Dabei stehen Selbstfürsorge und die Bedürfnisse als Paar im Vordergrund, die es sich gemeinsam zur Aufgabe machen, ein entspanntes und fröhliches Familienleben zu gestalten. Wie klingt das für dich?
Marie und Florian als Beispiel dafür, warum Beziehungen an Kindern scheitern können
Marie und Florian stehen in diesem Blogbeitrag stellvertretend für viele Eltern, deren Beziehung am Kind scheitern könnte.
Aber dieser Fall ist gut ausgegangen. Denn sie haben die Krise des Elternseins rechtzeitig erkannt. Wenn die beiden weiterhin die gegenseitige Bindung stärken, dann werden sie auch in Zukunft ein liebevolles Paar und fürsorgliche Eltern für Paul sein können.
Denn durch Kinder lernen wir eine neue Art der Liebe kennen – die Mutterliebe bzw. Vaterliebe, was für eine wunderschöne, einzigartige, unbezahlbare und tiefgreifende neue Erfahrung!
Kostenloses
Kennenlerngespräch
In einem kostenlosen 30-minütigen Erstgespräch klären wir dein Anliegen. Du bekommst eine realistische Einschätzung des Beratungsaufwands und wir besprechen die weitere Vorgehensweise. Außerdem schauen wir, ob du mit deinem Anliegen bei mir an der richtigen Adresse bist und ob die Chemie für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit passt.

Über die Autorin Angelika Erz
Als dipl. psych. Lebensberaterin begleite ich Paare und Einzelpersonen seit 2012 bei allen Themen rund um Liebe, Partnerschaft und Sexualität. Ich bin gerne deine vertrauensvolle Ansprechpartnerin, wenn es darum geht, eine gute Lösung für dich und deine Paarbeziehung zu finden!
In meinem Liebesblog schreibe ich über Themen, die mich gerade beschäftigen und ich beantworte Fragen, die mir in der Beratung gestellt werden.
Hier findest du weitere Beiträge zum Thema streiten und Beziehung retten und Warum Beziehungen an Kindern scheitern können.
